Trinkgeld
13.11.06, 05:52:14 by tagebauKennst Du den:
steht der Busch
in dem Haus
du rennst raus
nur nicht Klaus
er schaut raus
das Haus geht bankrott
so flott wie der Flopp
Klaus raus aus dem Job
jault draußen der Mob
Good Morning Berlin
in den Krieg wir ziehn
die Nacht wird lang
doch uns ist nicht bang
schaut rein in das Blatt:
morgen regnet es - nass
Er verbeugt sich flink, macht auf dem Absatz kehrt und eilt hinaus. Was war das? Ein Zeitungsanschlag? Ein Verseverkäufer? Poetry Slam? Das poetische Schicksal? - Die stegreifgereimten Verse fliegen mir um die Ohren und detonieren sekundenspäter in meinen Augen. M. schaut auf mich, hebt das Glas: Danke für die Zahlung, gut gemacht!
Ich verstehe nicht, zwischen zwei braunen Blicken verliert sich ein Porzellanlächeln in weite Ferne. Ich rieche in mich hinein unter die Haut, ich schmecke schal, fader selbst als die Jamben, die unter mir an den Stuhlbeinen aufschlagen. Das Zwei-Euro-Stück markiert auch meinen Fall: M. verlässt mich, liedsträhnenlächelnd.
Das Böse breitet sich aus, doch auf geschlossener Haut lebt es sich ruhiger dahin, die Angstattacken verklingen und Agnus tut ein Übriges.
(Berlin, November, "Weinbistro" unter den Linden)
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